Trauern um ein Sternenkind

Mein fehlendes Stück
62 Jahre lang habe ich nach meinem fehlenden Stück gesucht –
als ich 21 Jahre alt war, sagten sie mir, es sei so das Beste gewesen.
Ich habe so sehr versucht, das zu glauben.
Als ich 21 Jahre alt war, habe ich geweint, und sie haben mir gesagt, ich sollte mich
zusammennehmen.
Ich habe so sehr versucht, das zu glauben.
Ich habe so sehr versucht, aufzuhören
Als ich 21 Jahre alt war haben sie mir gesagt, dass ich andere Kinder haben würde –
Ich habe so sehr versucht, es so zu sehen wie sie.
Als ich 21 Jahre alt und allein war, machte ich weiter, als sei nichts geschehen.
Als ich 26 Jahre alt war, hatte ich Kinder.
Sie sagten, siehst du, alles ist wunderbar.
Ich sagte, ja und es war wunderbar, aber mein Stück fehlte immer noch.
Ich hätte glücklicher sein können.
Und so ging das Leben weiter.
Eine schleichende Traurigkeit, die ich nicht abschütteln konnte.
62 Jahre lang wartete ich auf jemanden, der mich danach fragte und der sagte,
wie schwierig war das für dich?
Jemand sagte es, und das fehlende Stück wurde gefunden, wiedergeboren.
Mein Baby, mein Kind, meine Träume.
Du warst mein erster Schritt, an die Zukunft zu glauben
Du, mein Kind, mein fehlendes Stück.
So viele Jahre war ich von dir und von mir selbst isoliert –
Nun ist mein Schmerz klar.
Ich weiß noch nicht, warum, aber ich weiß, ich habe ein Recht zu trauern und zu erinnern und
anzuerkennen, was du für mich bedeutest und bedeutet hast.
Merkwürdig, nun, ich bin 83 Jahre alt, habe ich wirklich das Gefühl, dass ich weitergehen kann.

Dieser Text wurde von einer 83-jährigen Frau geschrieben, die 62 Jahre nach dem frühen Tod ihres Kindes endlich beginnen konnte, zu trauern und ihrem Kind einen bleibenden Platz im Leben zu geben.
Ihre Erfahrung berührt mich sehr und zeigt, dass die Trauer um ein früh verstorbenes Kind oder Sternenkind nicht verharmlost, weg gedrückt oder durch spätere Kinder „ersetzt“ werden kann.
Viel wichtiger ist, dass das Kind und die Elternschaft anerkannt und gewürdigt werden, unmittelbar und auch noch Jahrzehnte später.
Indem sich jemand zuwendet und nachfragt. „Wie schwierig war das damals für dich?“
Dann kann die Trauer ins Fließen kommen und so ein Weitergehen ermöglichen.



Kommentare